1st February, 2011
Vor vielleicht zehn Jahren hatte ich das Glück, die Solistes Européens Luxembourg in einer oder zwei Proben kennenzulernen – als Zuhörer. Es waren meine allerersten Kapellmeisterjahre. Ich wusste bis zu jenem Zeitpunkt gar nicht, dass Musikmachen auch im Orchester so viel Freude machen kann; ich hatte oft Routine und manch unfrohes Gesicht kennengelernt. Ein bisschen neidisch war ich auf den Dirigenten, aber hätte mir wirklich nicht im Traum einfallen lassen, dass ich sie eines Tages dirigieren würde dürfen. Geschweige denn ihr Chefdirigent zu werden. Als ich 2008 ganz vage kontaktiert wurde, ging es zuerst lediglich um ein Konzert, vielleicht!
Und nun ist es so gekommen. Im September 2010 habe ich mein Antrittskonzert als Chefdirigent geleitet und ein musikalisches Zuhause gefunden. Die Bedingungen sind optimal: alle treffen sich ein oder zwei Mal pro Jahr zu wenig, als dass Überdruß und Routine sich einstellen könnten, und alle haben wir Freude daran, uns zu wiederzubegegnen und gemeinsam zu musizieren. Auch hat sich durch die zwanzigjährige gemeinsame Arbeit der Musiker und durch ähnlich geartete Mentalitäten ein Klang entwickelt, der mir persönlich sehr entgegen kommt: Ein vor allem in den oberen Streichern weicher und insgesamt verschmelzender Klang, der mich sehr stark an die Wiener Philharmoniker und die Staatskapelle Dresden erinnert. So viel Paradies und eitel Sonnenschein kann es doch gar nicht geben, würde man meinen: irgendwo muß doch der Haken sein?! Ich habe noch keinen entdecken können. Ich bin jetzt nach jedem Konzert so zufrieden gewesen, mit welcher Lust und Flexibilität alle dabei sind, dass ich sehr dankbar bin für dieses Geschenk. Das heißt nicht, dass es nicht genügend Arbeit gäbe: Wir wollen programmatisch noch mehr wagen, wir wollen unsere finanzielle Basis längerfristig absichern, wir wollen als Aushängeschild Luxemburgs noch stärker wahrgenommen werden und unsere internationale Reisetätigkeit weiter ausbauen. Wir wollen endlich beginnen, unseren eigenen Beitrag bei den Schallplattenaufnahmen zu leisten. Und wir wollen, dass uns das sehr, sehr treue Luxemburger Publikum weiter so treu bleibt – auch in ruppigeren Zeiten.
Christoph Koenig